Die komplette Konversation zwischen dem stellv. DEG-Vorstand Ulrich Coppel und ZDF-Nachrichtenchef Thomas Heinrich

Im Folgenden nun die komplette Konversation zwischen dem stellv. DEG-Vorstand Ulrich Coppel und ZDF-Nachrichtenchef Thomas Heinrich

Ulrich Coppel mailte am 03.01.2018 um 16.40 Uhr:

„Sehr geehrter Herr Heinrich,

von“ …. „erhielt ich gestern Ihre Emailadresse, und den Hinweis/ Bitte, Ihnen doch meine Hinweise über eine im vergangenen November virulent verbreiteten Fakemeldung von 28 Toten und über 100 Verletzten bei Ausschreitungen in der eritreischen Hauptstadt Asmara vorzuragen. Herr“ … „wolle dies auch selber noch tun – sei aber in diesen Tagen nicht in Mainz.

Folgender Grund:“

[Anm. Hier stand der Link zum Video, welches die Redaktion „heute“ am 9.11.2017 auf Facebook stellte. Dieser Link funktioniert nicht mehr. Der Beitrag wurde am 04.01.2018 gelöscht.]

– Mir wurde berichtet, dass ein Beitrag der Redaktion „heute“, der mit diesen Videoaufnahmen hinterlegt worden ist, auch in der Sendung MoMa am 09.11.2017 im Fernsehen ausgestrahlt worden sei.

– Zu meiner Person: Ich bin beruflich Musiker und freier Journalist aus Münster/Westf. Ehrenamtlich bin ich zweiter Vorstand der „Deutsch-Eritreischen Gesellschaft“ (DEG).

Zwischen Mitte Oktober und dem 1. November 2017 bereiste ich zum wiederholten Mal Eritrea – diesmal mit einer Reisegruppe der Deutsch-Eritreischen Gesellschaft. Am letzten Tag unseres Aufenthaltes (31.Okt.2017) kam es in der eritreischen Hauptstadt Asmara, in unmittelbarer Nähe unseres Hotels (Hotel Embasoira, Beleza Str./ Asmara Eritrea) zu einem Vorfall mit Schusswaffengebrauch.

http://deutsch-eritreische-gesellschaft.de/2017/11/03/stellungnahme-zu-den-ausschreitungen-mit-schusswaffengebrauch-in-asmara-am-31-10-2017/

Das Vorstandsmitglied, das von dem auswärtigen Termin zurück kam, war ich – und zwar mit dem Taxi, aus welchem ich genau an der Ecke Harnet Avenue/ Belezastr. ausgestiegen bin. Das ist die Straßenecke, aus dem Video, welches die Redaktion heute (siehe Link oben) verbreitet.

Am 31.10.2017, um 15.15 Uhr war ich von genau dort, ebenfalls mit dem Taxi, zu dem auswärtigen Termin, samt einigen Begleitern gestartet. Zu keinem Zeitpunkt war dort irgendetwas unnormal. Keine Sicherheitskräfte, keine Rettungsmaßnahmen, kein Aufräumen – gar nichts.

 

 

Den kurzen Weg von der Ecke zum Hotel legte ich auf dem Rückweg zu Fuß zurück. Im Hotel angekommen, empfingen mich andere Mitglieder der Reisegruppe und erklärten, dass sie gegen 17.15 Uhr Schüsse gehört hätten. Es gab noch andere Reisegruppen in dem Hotel, unter anderem von den deutschen NGO´s „Eritrea Hilfswerk“ und „Archemed“: Alle hatten das gehört, bzw. zum Teil gesehen. Mit dem Vorstand des „Eritrea Hilfswerk“, Herrn Martin Zimmermann, beruflich ebenfalls Journalist aus Plochingen/ BW und anderen, haben wir uns beraten. Wir haben uns kundig gemacht, und die in unserem oben verlinkten Text enthaltenen weiteren Informationen recherchiert. Einige Augenzeugen haben uns ihre Beobachtungen persönlich vorgetragen. Anschließend sind manche von uns noch einmal die Harnet Avenue, zwischen dem Erziehungsministerium und der Ecke Beleza Str. Das war gegen 18.30 Uhr: Dabei ist uns nichts Ungewöhnliches aufgefallen. In der Nacht sind wir dann den Rückflug nach Deutschland angetreten.

Dort angekommen, nahm ich bald Meldungen von Ausschreitungen in Asmara, mit mindestens 28 Toten und über 100 Verletzten wahr. Zunächst via Al Jazeera, später auch BBC und DW, sowie sehr vielen anderen. Alle beriefen sich auf eine einzige AP-Meldung (siehe Anhang). Wir haben dann von Deutschland aus Kontakt zu den noch in Asmara befindlichen Reisenden der NGO´s aufgenommen, etwa Herrn Zimmermann. Die hatten keine neuen, anderslautenden Erkenntnisse. In einem Telefongespräch mit dem noch immer in Asmara befindlichen Herrn Zimmermann erklärte dieser, dass auch der deutsche Botschafter Meldungen über Tote oder Verletzte nicht bestätigen konnte.

Ein Taxi und ein Bus an der belebten Harnet Avenue in der eritreischen Hauptstadt Asmara. Im Hintergrund: Das Erziehungsministerium – der Ort zu dem die Demonstranten wollten. Foto: Ulrich Coppel

 

(Taxi und Bus an der Harnet Avenue. Im Hintergrund: Das Erziehungsministerium,

wohin die Demonstranten zogen. Foto: Ulrich Coppel)

Ich habe mich mit DW-Chefredakteurin Ines Pohl in Verbindung gesetzt, weil DW die Falschmeldung ebenfalls verbreitet hatte. Bald schon meldeten sich Kollegen, die sich nach unseren Beobachtungen erkundigten. In den Tagen darauf widerrief ein Medium nach dem anderen, etwa BBC.

Und am 9. November, also 10 Tage nach dem „Vorfall“, bzw. 9 Tage nach Verbreiten der Falschmeldungen und Tag(e) nach Widerrufen der Falschmeldung durch zig Verbreiter-(Leit)Medien (etwa BBC, s.o.) brachte das ZDF dann „endlich“ selber auch das ursprüngliche Fake. Daraufhin habe ich auch ein bis zum heutigen Tage unbeantwortet gebliebenes Schreiben an die Redaktion heute geschrieben, und dies via Facebook auch veröffentlicht.

 

„Sehr geehrte Damen und Herren ZDF-Heute Redaktionsmitglieder:

Zu gutem journalistischen Handwerk zählt Recherche und Gegenrecherche. Wo bitte haben Sie die Regierung befragt, oder zitiert, die ausführlich Stellung bezogen hat? Wo haben Sie unabhängige Beobachter, z. B. gleich von mehreren deutschen und schweizer NGO´s befragt, die sehr zahlreich Auskünfte gegeben haben, und die übereinstimmend sagen, dass es Tote oder Verletzte nicht gegeben habe, weil lediglich Warnschüsse in die Luft abgegeben worden seien? Wo sind sie hingegangen, und haben mal die deutschen Behörden, z. B. den deutschen Botschafter, der sich zu dem Zeitpunkt persönlich in Asmara aufhielt, befragt: Fehlanzeige! Stattdessen verlassen Sie sich auf eine von Äthiopien gesteuerte Interessengruppe, die den Sturz der eritreischen Regierung erreichen will. Grund der Ausschreitungen waren aber gar nicht politisch Oppositionelle, sondern eine einstweilige Schließung einer islamischen Schule, an der eine gezielte Unterwanderung durch islamistische Fundamentalisten befürchtet worden sei. Das Problem ist ein afrikaweit beobachtetes, und selbst hier in Deutschland nicht unbekannt. DW hat diese Woche noch darüber berichtet. Die Schule sei zwei Tage später wieder geöffnet worden. Ich möchte Sie dringend auffordern Ihren völlig unverantwortlichen und aus dem Zusammenhang gerissenen Bericht zu überprüfen, und gegegzurecherchieren. Am Rande: Ich war übrigens persönlich, mit vielen Anderen vor Ort. Mit freundlichen Grüßen, Ulrich Coppel, stellv. Vorsitzender des Vorstandes der Deutsch-Eritreischen Gesellschaft.“

 

  • Weshalb verbreitet „heute“ eine bereits als Fake entlarvte, und zigfach widerrufene Meldung?
  • Weshalb ist die Meldung trotz zigfacher Proteste bis dato von der Redaktion „heute“ noch immer nicht widerrufen, sondern steht nach wie vor an den gleichen Orten im Internet?

 

Mit freundlichen Grüßen, und besten Wünschen für das neue Jahr,

 

Ulrich Coppel“

 

Herr Thomas Heinrich, Leiter der ZDF-Redaktion „heute“ antwortete am 06.01.2018 um 16.59 Uhr:

 

„Sehr geehrter Herr Coppel,

vielen Dank für Ihre E-Mail mit Kritik an unserer Berichterstattung über die Proteste am 31.10.2017 in Asmara. Sie beschreiben die Vorgänge sehr detailliert aus eigener Anschauung und mit einer Reihe von Quellenhinweisen versehen. Ich bin der Sache nachgegangen und räume unumwunden ein, dass uns hier Fehler unterlaufen sind. Und zwar auf drei Ebenen:

 

–    Wir haben das Video-Material in der Nacht zum 09.11.2017 über das Video-Angebot der Agentur AP erhalten. Unsere frühen Kollegen haben es für die Kurznachrichten um 8:30 und 9 Uhr  sowie für einen Post auf dem facebook-Account ZDFheute verwendet und sich dabei auf die Informationen verlassen, die begleitend von AP sowie zuvor bereits auch von anderen Nachrichtenagenturen übermittelt worden waren. Richtigerweise wurde deshalb gemeldet, dass sowohl die Bilder als auch die Informationen über Todesopfer von oppositionellen Gruppen und Regimekritikern stammten. Eine Internet-Recherche jenseits der Nachrichtenagenturen hätte zu diesem Zeitpunkt jedoch tatsächlich ergeben können, dass diese Agenturlage überholt war.

 

–   Zahlreiche Nutzer haben über facebook Zweifel angemeldet, auf die wir nicht reagiert haben. Eine Korrektur wäre zu diesem Zeitpunkt möglich und wichtig

gewesen. Selbstverständlich ist unsere Social-Media Abteilung angewiesen, genau solche Reaktionen weiterzuleiten, zumal es sich überwiegend um äußerst kenntnisreiche und sachlich formulierte Hinweise handelte. Wir prüfen derzeit sehr genau, warum das nicht geschehen ist.

 

–   Leider habe ich von der Sache so erst durch Ihr Schreiben vom Mittwochnachmittag erfahren. Ihre erwähnte erste E-Mail hat offenbar die heute-Redaktion und mein Sekretariat nicht erreicht. Falls es Ihnen nicht zu viel Mühe bereitet, möchte Sie gerne bitten, mir die Adresse mitzuteilen, an welche Sie diese versendet haben. Für unsere Redaktion gilt, dass alle Zuschriften -und seien sie aus weit geringerem Anlass- beantwortet werden.

 

Leider machen auch wir Fehler. Das ist bei mehreren tausend Sendungen im Jahr trotz aller Sorgfalt und bestehender Vorkehrungen, etwa zur Verifikation von Videos, nie ganz auszuschließen. Ich nehme diesen Fall dennoch besonders ernst, weil er, insbesondere was die Reaktion angeht, nicht unseren transparenten Standards entspricht. Wir haben den Kurzbeitrag nun aus dem Angebot genommen und zudem in unserer Rubrik „Korrekturen“ unter heute.de vermerkt. Die Verzögerung, mit der das geschehen ist, bedauere ich außerordentlich.

 

Ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr Coppel, noch einmal ausdrücklich für Ihren Hinweis. Ich würde mich freuen, wenn wir Sie in Zukunft dennoch zu den durchaus kritischen Zuschauern unserer Nachrichtenprogramme zählen dürften.

 

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Heinrich“

 

 

Anbei die gemeinsame Antwort von Martin Zimmermann und Ulrich Coppel vom 07.01.2018 an Thomas Heinrich (in Auszügen). Wir würden ein persönliches Gespräch sehr begrüßen.

 

„Sehr geehrter Herr Heinrich,

 

haben Sie herzlichen Dank für Ihre Mail von gestern Nachmittag. Die habe ich jetzt an Herrn Martin Zimmermann (Vorstand Eritrea Hilfswerk), sowie an den Vorstand der Deutsch-eritreischen Gesellschaft weitergeleitet. Herr Zimmermann und ich sind beide der gleichen Meinung, dass Ihr konsequentes Durchgreifen hier der einzig richtige Weg ist. Anbei die gewünschte Mail in Weiterleitung. In der Tat ging auch der noch Einiges voraus, siehe Mail.

 

Das Thema Eritrea ist hier bei uns in Deutschland nahezu vollständig durch das Thema Menschenrechtsverletzungen besetzt. Das ist ist sicher ein sehr wichtiges Themenfeld. Deshalb würden wir uns sehr gern einmal mit Ihnen treffen, um dies einmal in einem größeren Kontext miteinander zu besprechen. Nach dem Vorfall vom 31.10.2017 – und der ja massenhaft geschehenen Falschberichterstattung – geht es uns darum Hintergründe und Strukturen offenzulegen, und den Kollegen so die Möglichkeit zu eröffnen Fakenews aus dieser Ecke der Welt schneller zu durchschauen. Wir sind sicher keine Anhänger von Verschwörungstheorien. Aber eines ist klar recherchiert: Regelmäßig gibt es Berichte über schwerste Menschenrechtsverletzungen in Eritrea, die sich (wie im hier konkreten Fall) bei näherer Betrachtung als unhaltbar, oder (wie hier) als Unwahr entlarven. Wer steckt dahinter, und was sind die Motive? Wem liegt daran Redakteure, die in aller Eile arbeiten müssen, und „seriösen Quellen“ erst einmal vertrauen, vor den Karren zu spannen? Kollegen die die Hintergründe und Strukturen kennen, würden sich auf bestimmte Quellen ganz bestimmt nicht mehr „blind“ verlassen.

 

Was halten Sie von einem persönlichen Gespräch?

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ulrich Coppel (stellv. Vorstand Deutsch-Eritreische Gesellschaft e.V)

Martin Zimmermann (Vorstand Eritrea Hilfswerk e.V.)“