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ZDF-Redaktion „heute“ widerruft falsche Meldung über „28 Tote“ in der eritreischen Hauptstadt Asmara erst nach 7 Wochen!

07 Jan 18
ulrich.coppel
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Welche Rolle spielt die internationale Nachrichtenagentur „Associated Press“ (AP) bei der Verbreitung von Fakenews über Eritrea?

 

Asmara/ Mainz/ Münster/ Plochingen. Am 31.10.2017 haben eritreische Sicherheitskräfte Warnschüsse abgegeben, um eine kleine, illegale Demonstration zu zerstreuen. Einen Tag später verbreitete die New Yorker Nachrichtenagentur „Associated Press“ („AP“) unter Berufung auf Oppositionelle die unwahre Geschichte von 28 Toten und mehr als 100 Verletzten, die dieser Vorfall verursacht habe. Virulent verbreitete sich diese Nachricht weltweit in den Medien – und wurde aber kurz darauf vielfach dementiert.

 

Erst am 09.11.2017 – also nachdem bereits klar war, dass es sich hier um eine Falschmeldung handelte – veröffentlichte die ZDF-Redaktion „heute“ ein kurzes Video mit vor Schüssen fliehende Menschen unter dem Titel: „In Eritrea sollen bei einer Demonstration in der Hauptstadt Asmara 28 Menschen getötet worden sein. Die Regierung gilt als eine der repressivsten in der ganzen Welt.“ Das Video war bis zum 03.01.2018 bei Facebook zu sehen.

 

Weshalb verbreitet “ZDF-heute“ eine bereits Tage zuvor als Fake entlarvte, und zigfach widerrufene Meldung?

 

Auf Anfrage des stellvertretenden Vorstandes der Deutsch-Eritreischen Gesellschaft Ulrich Coppel, teilt die ZDF-Redaktion, Herr Thomas Heinrich, am 06.01.2018 mit:

 

Sehr geehrter Herr Coppel,

vielen Dank für Ihre E-Mail mit Kritik an unserer Berichterstattung über die Proteste am 31.10.2017 in Asmara. Sie beschreiben die Vorgänge sehr detailliert aus eigener Anschauung und mit einer Reihe von Quellenhinweisen versehen. Ich bin der Sache nachgegangen und räume unumwunden ein, dass uns hier Fehler unterlaufen sind. Und zwar auf drei Ebenen:

 

  • Wir haben das Video-Material in der Nacht zum 09.11.2017 über das Video-Angebot der Agentur AP erhalten. Unsere frühen Kollegen haben es für die Kurznachrichten um 8:30 und 9 Uhr  sowie für einen Post auf dem facebook-Account ZDF heute verwendet und sich dabei auf die Informationen verlassen, die begleitend von AP sowie zuvor bereits auch von anderen Nachrichtenagenturen übermittelt worden waren. Richtigerweise wurde deshalb gemeldet, dass sowohl die Bilder als auch die Informationen über Todesopfer von oppositionellen Gruppen und Regimekritikern stammten. Eine Internet-Recherche jenseits der Nachrichtenagenturen hätte zu diesem Zeitpunkt jedoch tatsächlich ergeben können, dass diese Agenturlage überholt war.

 

  • Zahlreiche Nutzer haben über facebook Zweifel angemeldet, auf die wir nicht reagiert haben. Eine Korrektur wäre zu diesem Zeitpunkt möglich und wichtig gewesen. Selbstverständlich ist unsere Social-Media Abteilung angewiesen, genau solche Reaktionen weiterzuleiten, zumal es sich überwiegend um äußerst kenntnisreiche und sachlich formulierte Hinweise handelte. Wir prüfen derzeit sehr genau, warum das nicht geschehen ist.

 

  • Leider habe ich von der Sache so erst durch Ihr Schreiben vom Mittwochnachmittag erfahren. Ihre erwähnte erste E-Mail hat offenbar die heute-Redaktion und mein Sekretariat nicht erreicht. Falls es Ihnen nicht zu viel Mühe bereitet, möchte Sie gerne bitten, mir die Adresse mitzuteilen, an welche Sie diese versendet haben. Für unsere Redaktion gilt, dass alle Zuschriften -und seien sie aus weit geringerem Anlass- beantwortet werden.

 

Leider machen auch wir Fehler. Das ist bei mehreren tausend Sendungen im Jahr trotz aller Sorgfalt und bestehender Vorkehrungen, etwa zur Verifikation von Videos, nie ganz auszuschließen. Ich nehme diesen Fall dennoch besonders ernst, weil er, insbesondere was die Reaktion angeht, nicht unseren transparenten Standards entspricht. Wir haben den Kurzbeitrag nun aus dem Angebot genommen und zudem in unserer Rubrik „Korrekturen“ unter heute.de vermerkt. Die Verzögerung, mit der das geschehen ist, bedauere ich außerordentlich.

 

Ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr Coppel, noch einmal ausdrücklich für Ihren Hinweis. Ich würde mich freuen, wenn wir Sie in Zukunft dennoch zu den durchaus kritischen Zuschauern unserer Nachrichtenprogramme zählen dürften.

 

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Heinrich 

 

 

Damit bleiben noch drei Fragen offen:

 

Welche Rolle spielt AP bei der Verbreitung von Fakenews über Eritrea?

 

Wie kann sich ein Land wie Eritrea vor solchen Falschnachrichten schützen?

 

Wie kann man Nachrichten der Medien vertrauen?

 

 

Ulrich Coppel (stellv. Vorstand Deutsch-Eritreische Gesellschaft e.V)

 

Martin Zimmermann (Vorstand Eritrea Hilfswerk e.V.)“

Hintergründe:

Die komplette Konversation zwischen dem stellv. DEG-Vorstand Ulrich Coppel und ZDF-Nachrichtenchef Thomas Heinrich

Stellungnahme zu den Ausschreitungen mit Schusswaffengebrauch in Asmara am 31.10.2017

 

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